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Gedenkstätte Heemsen

Gedenkstein

Am nordwestlichen Ortsrand von Heemsen – unweit der alten Mühle – liegt der „Russenfriedhof“, ein Gräberfeld, auf dem im Zweiten Weltkrieg 746 sowjetische Kriegsgefangene ihre letzte Ruhe fanden.

Das Sterbelager

Von 1941 bis 1945 befand sich an der Bundesstraße 209 zwischen Rohrsen und Heemsen (heute Bereich Tannenweg und Fliederweg) ein Lager für russische Kriegsgefangene. Es führte die Bezeichnung „Stalag XC – Lazarett Zweigstelle Rohrsen“ und war dem Stammlager XC in Nienburg zugeordnet. Es bestand aus 26 Holzbaracken und war für 500 Menschen ausgelegt.

Skizze

Das Sterbelager: 26 Holzbaracken für 500 Kriegsgefangene

  

In dieses von hohen Stacheldrahtzäunen umgebene Lager wurden fast ausschließlich sowjetische Kriegsgefangene aus den Lagern des Wehrkreises X (Nördliches Niedersachsen und Schleswig-Holstein) eingeliefert, die dort wegen Unterernährung und Krankheit (Ödeme, Tuberkulose, Ruhr u.a.) ausgesondert und als Todkranke ins „Sterbelager Heemsen“ gebracht wurden.

Zahllose Gefangenen starben bereits auf dem Transport, überstanden den einen Kilometer langen Fußmarsch vom Bahnhof Rohrsen bis zum Lager nicht oder starben kurz nach dem Eintreffen.

 

Der „Russenfriedhof“

Die meisten Lagerinsassen gingen qualvoll an Unterernährung und fehlender ärztlicher Versorgung zu Grunde. Sie wurden auf einen Karren geladen und in Massengräbern in der Nähe der Heemser Mühle verscharrt. 746 Kriegsgefangene haben dort ihre letzte Ruhestätte gefunden.

 

Russenfriedhof

Ruhestätte für 746 sowjetische Kriegsgefangene: Der „Russenfriedhof“

 

Nur wenige Gefangene waren kräftig genug, um bei Bauern in der Nähe arbeiten und damit dem Hungertod zu entkommen.

Dieser Menschen verachtende Umgang mit den Männern aus der Sowjetunion entsprach dem Willen einer nationalsozialistischen Führung, die mit fanatischem Rassenhass die Ausrottung der slawischen Völker Osteuropas betrieb. Die Bemühungen Einzelner, menschlich zu bleiben und das Los der Gequälten zu lindern, konnten insgesamt nichts ändern.

Das müssen wir beschämt und betroffen zur Kenntnis nehmen. Möge dieses grauenhafte Geschehen allen ein Ansporn sein, sich für Verständigung, Versöhnung und Frieden einzusetzen!

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Stätten der Versöhnung

Es ist wie ein Zeichen der Hoffnung und eine Fügung Gottes: Neues Leben wächst an den Stätten des Todes. In den Baracken des Sterbelagers fanden nach Kriegsende zahlreiche Flüchtlinge aus Schlesien ihre erste Zuflucht. Anfang der 50er Jahre bauten sie dort ihre Häuser und wurden heimisch..

 

Baracke

Die Baracken: Nach Kriegsende erste Zuflucht für zahlreiche Flüchtlinge aus Schlesien

 

Eine ähnliche Entwicklung nahm auch der „Russenfriedhof“. Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge und die Gemeinde Heemsen legten 1950 auf dem Gelände des Massengrabes eine Gedenkstätte an.

Mit Beginn der Partnerschaften von Stadt, Landkreis und Kirchenkreis Nienburg mit der Stadt, der russisch-orthodoxen Kirche und der jüdischen Gemeinde von Witebsk im Jahre 1989 wurde der „Russenfriedhof“ zu einem Ort der Begegnung und Versöhnung.

 

Menschen auf Friedhof

Der „Russenfriedhof“: Ort der Begegnung und Versöhnung

 

Seit der ersten Kontaktaufnahme am 9. Juli 1989 finden immer wieder Gedenkfeiern oder Gottesdienste mit Besuchergruppen aus Witebsk statt. Gäste waren unter anderem Politiker, Priester, Künstler, Schüler, Vertreter der jüdischen Gemeinde, der russisch-orthodoxe Chor oder der stellvertretende Botschafter Weißrusslands.

So sind die Gräber zu einem Ort der Begegnung und Verständigung geworden.

 

Aus Feinden wurden Freunde.

In 1. Mose 50,20 heißt es: „Ihr hattet Böses im Sinn, aber Gott hat es zum Guten gewendet.“

Möge diese Stätte weiterhin der Versöhnung und dem Frieden zwischen den Völkern dienen.

 

Die Lage:

Lage

Die Gedenkstätte Heemsen ist von Nienburg oder Verden über die B 215 bis Rohrsen und dann über die B 209 bis Heemsen zu erreichen. An der Kirche in Heemsen links abbiegen in die Schulstraße und nach ca. 600 Metern in den Ginsterweg oder den Mühlenweg einbiegen

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Zusammengestellt von Dieter Lichtblau, in Zusammenarbeit mit Hans-Jürgen Sonnenberg